Rolfs Blog zur Gemeinderatswahl in Bruchsal

BLOG-UMZUG!

13. Mai 2009

Aus technischen Gründen musste mein Blog umziehen. Bitte besuchen Sie:

Der Hase und die Weltwirtschaftskrise!

10. Mai 2009

Vergangenen Mittwoch ging ich wie jede Woche auf den Bruchsaler Wochenmarkt. Dort musste ich am Marktstand warten. Vor mir wurde noch ein älterer Bruchsaler bedient.

Plötzlich merkte ich auf. „Gewwe Se mer noch e bissele Grünzeug für mei Hase mit?“ sagte er zum Verkäufer. Bei mir begann es zu rattern. Ein älterer Bruchsaler, so um die 70 Jahre alt, braucht Gemüsereste für seine Hasen? Das muss der letzte Bruchsaler Nebenerwerbslandwirt mit Hasenzucht sein!

Nun, so war es dann doch nicht. Etwas enttäuschend fiel dann seine Erklärung aus: „Des Grünzeug is net für mich, des is für mei Enkelkind. Die hat so zwei Zwerghase. Des Grünzeug bring ich ihr immer mit vum Markt zum fiedere vun denne Hase“.

Auf dem Heimweg verlor ich das Thema Hasen nicht mehr aus dem Kopf und ich stellte fest, dass – mit Unterbrechungen – das Thema Hasen mich mein ganzes Leben verfolgte (wobei dies jetzt doch etwas übertrieben ist).

Exkurs: Hier muss ein landläufiges Missverständnis richtig gestellt werden: Hasen sind Kaninchen. Richtig, der sogenannte Stallhase ist ein Stallkaninchen. Hase und Kaninchen gehören zwar  beide zur Ordnung der “Hasentiere”, entwicklungsgeschichtlich haben sich aber über lange Zeit die beiden Gattungen “Lepus” (Hase) und “Oryctolagus” (Kaninchen) herausgebildet. Der Bequemlichkeit halber werde ich aber weiter den Begriff „Hase“ verwenden.

Erste Bilder in meinem Fotoalbum zeigen mich mit einem riesengroßen weißen Angorahasen, vor dem ich sichtlich großen Respekt hatte. In Bruchsal hatte ich in Kinderjahren einen Freund, der in einem der großen Häuser beim Gefängnis (früher Zuchthaus, heute Landesstrafanstalt) wohnte. Sein Vater arbeitete im Gefängnis. Dort hatten die Mieter hinterm Haus noch jeder seinen Hasenstall. Viereckige Kästen, vielleicht zwei Meter hoch und 1 ½ Meter breit, mit nach meiner Erinnerungen meist 9 Einzelkäfigen. Es machte uns Spaß die Hasen zu füttern. Wir holten Löwenzahn und Gras und steckten das Grünzeug durchs Gitter. Noch heute sind mir die Knackgeräusche im Ohr die entstanden, wenn der Hase am Grünzeug oder auch an einer Gelberübe mümmelte.

Lange Zeit war dann Hasenruhe. Bis ich meine heutige Frau kennen lernte. Deren Vater hatte bis vor ungefähr 20 Jahren auch noch Hasen. Die wurden dann vor Feiertagen geschlachtet und kamen als Festtagsmahl auf den Tisch. Diese Festtagsspeise aß ich nicht gerne und hielt mich beim Fleisch essen schon etwas zurück. Die Hasen waren doch so lieb und schauten einen so treuherzig an. Aus den Hasenfellen wurden kuschelige künstliche Hasen für Kinder genäht.

Das Aussterben des Stallhasen ist wohl dem Wirtschaftsaufschwung geschuldet. Früher wurden Hasen gehalten, um ab und zu etwas fleischliche Kost auf den Tisch bringen zu können. Je mehr Geld die Familien dann zur Verfügung hatten, desto unbequemer wurde das Aufziehen und das wohl doch nicht so angenehme Schlachten der Tiere.

Heute lese ich in der Zeitung: „Die Angst vor dem sozialen Abstieg. Fast 30 Prozent der Deutschen sehen durch die Krise ihren Status bedroht. Erstmals auch die Mittelschicht stark betroffen“. Nun, abgesehen davon, dass es sich hier momentan nur um eine Angst handelt, was, wenn sich die Ängste als reales Szenario bewahrheiten? In diesem Falle sehe ich dann die Renaissance des Stallhasen. Und das meine ich gar nicht ironisch oder zynisch.

Hasen züchte ich noch nicht, aber ich darf hier verraten, dass ich in dem kleinen Stückchen Hausgarten das ich habe, angefangen habe, Kräuter und Beerenobst zu pflanzen. Jetzt sollen noch Tomaten und Paprika dazu kommen. Zum einen kann man so etwas Geld sparen, zum anderen ist das eigene Obst und Gemüse um ein Vielfaches besser und frischer als gekauftes.

Wer weiß, wann ein Hasenstall bei mir im Garten steht …

Der Lauscher an der Wand … ?

30. April 2009

Heute schreibe ich etwas in meinem Blog, was ich nicht selbst erlebt habe. Dieses Gespräch wurde von einem guten Bekannten bei der letzten Gemeinderatssitzung unabsichtlich belauscht; ältere Menschen reden halt oftmals etwas lauter – wegen des nachlassenden Gehörs.

Hier der Bericht:

„Hinter mir saßen zwei ältere Männer, so zwischen 65 und 70, gestandene Brusler, die in einer Pause miteinander schwätzten. Nennen wir den einen Peter und den anderen Paul.

Peter zu Paul: So, jetzt SEPA.

Pause

Peter zu Paul: Warsch auch uff de Veranstaltung im Schlachthof?

Paul zu Peter: Nee, des is doch eh alles Partei und eh schun alles klar.

Peter zu Paul: Noi, noi, des war ned schlecht. dort sinn se alle drowwe gsesse. Der Schmitt, der Holoch, der Foos, dieser Rupalla und dann, wie heißt se?, die Griene, wie heißt se? so e Fraa halt. Die isch a drowwe gsesse.

Pause

Peter zu Paul: Ja, des war ganz intressant was so jeder gsagt hat. Un e paar Zuschauer hawwe sich a gmeldet. Unner annerem dem Mangei seine, die Bärbel. *

* (Bärbel Mangei ist Inhaberin vom Betten-Mangei und vertritt die Interessen der Bruchsaler Einzelhändler oft sehr vehement.)

Pause

Paul zu Peter: Was, die? Hattse wieders Fingerle ghobe?

Peter zu Paul: Ja klar, gedroht hatse. Die Rotznas’!“


Liebe Frau Mangei,

ich habe hier nur das Gespräch so wiedergegeben, wie es mir zugetragen wurde. Ich halte es für meine Chronistenpflicht, diesen Dialog aufzuschreiben wie er stattfand. Der Brusler schwätzt halt so. Derb aber herzlich. Das Geplauder der beiden älteren Herren zeigt aber, wie das Thema SEPA die Brusler polarisiert und emotional bewegt.

Das Gespräch konnte mein Bekannter nicht weiter belauschen, da die Gemeinderatssitzung weiter ging. Ich führe daher den Dialog mit meinen Worten zu Ende (ich hoffe, dieses Ende gefällt Ihnen):

Paul zu Peter: Jetzt hör awwer mal uff. Die Bärbel kenn ich schon lang. Schon als se noch in de Schul war. Die is wirklich in Ordnung. Sowas Böses sollschte ned üwwer se sage“.


Grüne Träume - ausgeträumt

29. April 2009

Es war einmal …

So fangen alle Märchen an. Es gibt eine Partei, die heißt „Die Grünen“, neuerdings sogar „Bündnis 90/Die Grünen“. Und der Autor dieses Berichtes war schon bei Gründung dieser Partei mit dabei. Er hat noch die Grüne Raupe miterlebt, und er hat Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre sogar für den Bruchsaler Gemeinderat auf der Liste der Grünen kandidiert. Gewählt wurde unser Autor nicht, aber es war eine schöne Erfahrung, beim Aufbruch einer fortschrittlichen, modernen, dem Menschen und der Natur sich verpflichtenden Partei dabei zu sein.

Im Bruchsaler Gemeinderat gibt es einen Parteienzusammenschluss, der sich “Bündnis 90/Die Grünen/Neue Köpfe” nennt. Und die vier Stadträte dieses Parteien-zusammenschlusses haben gestern, bei der Abstimmung um das SEPA-Projekt, nach eigenem Bekunden für SEPA gestimmt und damit für die Aushöhlung unseres Rathauses und für die Verschleuderung unserer innerstädtischen Grundstücke an private Investoren. Wie kann so etwas nur passieren!?

Sehr geehrte Frau Birkle, ich kenne Sie nicht persönlich, habe Sie aber bei der Diskussion um das SEPA-Projekt im Schlachthof erlebt. Mein Eindruck war, dass Sie sich sehr bemüht haben, das Thema und die Auswirkungen auf Bruchsals Zukunft zu verstehen. Leider sehe ich jedoch eine große Diskrepanz zwischen grünen Themen und grünem Handeln und dem Zustimmen zu einem Projekt, nur weil dies unter anderem 350 zusätzliche Parkplätze bringt. In einer Zeit, wo überall auf Öffentlichen Personennahverkehr gesetzt wird, setzen Sie auf Parkplätze. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Lieber Armin, was ist nur mit Dir passiert? Du hattest früher fortschrittliche Ansichten. Nicht umsonst haben wir uns gemeinsam für selbstverwaltete Jugendzentren eingesetzt. Mit Deiner Zustimmung zum SEPA-Projekt hast Du als Landschaftsgärtner den Ast abgesägt, auf dem Du sitzt – allerdings kandidierst Du ja nicht mehr für den kommenden Gemeinderat. Glaube mir, Deine Kinder werden Dich irgendwann fragen, wie Du, ihr Vater, ein Grüner, diesem Projekt hast zustimmen können. Denke Dir jetzt schon ein gutes Argument aus.

Lieber Stefan, welcher Teufel hat Dich nur geritten, so gegen den gesunden Menschenverstand der Bruchsalerinnen und Bruchsaler zu stimmen? Ich weiß, dass Du Deine Heimatstadt liebst. Ich befürchte, Du hast unserer Stadt mit Deinem Votum einen Bärendienst erwiesen.

Lieber Herr Dr. Meisel, wir kennen uns ja noch aus AGNUS-Zeiten. Wir waren beide schon bei der AGNUS-Gründung dabei. Sie sind noch dabei, ich musste aus beruflichen Gründen aussteigen. Und jetzt haben Sie diesem SEPA-Projekt zugestimmt. Es ist schon heute klar, die entsprechenden Berechnungen gibt es bereits, dass die Verwirklichung dieses Projektes die Bruchsaler Bürgerinnen und Bürger viel, viel Geld kosten wird. Und wissen Sie zu Lasten welcher Aufgaben dann wieder gespart werden muss? Richtig! Natur und Umweltschutz! Hierfür wird kein Geld mehr da sein!

Bei dieser Abstimmung habe ich die Fraktion „Bündnis90/Die Grünen/Neue Köpfe“ in ihrer neuen Rolle kennen gelernt: als Mehrheitsbeschaffer für die CDU-Fraktion und die Fraktion der Freien Wähler. Für den nächsten Gemeinderat wird diese Fraktion nicht mehr gebraucht; da könnte man gleich die Originale, Freie Wähler bzw. CDU, wählen.

Zum Weiterlesen:
E.-F. Schäfer von der SPD Bruchsal zum Thema
Bruchsal-Neu zum Thema

Ungenügend! Setzen!

27. April 2009

Am Mittwoch letzter Woche, 22. April, bat ich Stadträtinnen und Stadträte der CDU um eine Stellungnahme zum Thema SEPA, wobei ich mit meiner eigenen Meinung nicht hinterm Berg hielt. Ich schickte 17 E-Mails raus in der Hoffnung auf ein rasches Feedback.

Leider haben bis heute, nach knapp einer Woche des Wartens, lediglich 2 von 17 der Stadträte geantwortet. 15 der von mir angeschriebenen Mandatsträger hielten es bis jetzt nicht für notwendig, einem Bruchsaler Bürger, den sie doch eigentlich im Gemeinderat vertreten, zu antworten. Ich halte dies für ein Armutszeugnis! Den beiden Gemeinderäten, die mir geantwortet haben, möchte ich ganz herzlich danken. Vielen Dank Rosemarie, vielen Dank Herr Holoch!

Am Wochenende habe ich die gleichen Fragen per E-Mail an Stadträte der Freien Wähler geschickt. Bereits heute morgen fand ich eine sehr ausführliche Antwort von Herrn Foos auf meinem PC vor. Vielen Dank Herr Foos für die schnelle Antwort, auch wenn ich das Ergebnis Ihrer Analyse, Bruchsal braucht SEPA, als nicht richtig empfinde. Bruchsal braucht kein SEPA, Bruchsal braucht kein ausgehöhltes Rathaus, Bruchsal braucht kreative Köpfe, die abseits vom Parteien- und Lobbygeklüngel die besten Ideen für Bruchsal kreieren und für deren Umsetzung sorgen!

Beim Surfen im Internet bin ich übrigens auf einen wunderschönen Artikel zu Bruchsal als Einkaufsstadt aus dem Jahre 2000 (!!!) gestoßen: Einkaufen in Bruchsal? Zeitvergeudung!. Dieser Kommentar eines mir Unbekannten endet mit der Feststellung: “Betrachtet man vergleichbare Städte im Umland (Wiesloch, Bretten, Ettlingen), dann sieht man recht schnell, dass Bruchsal alles falsch gemacht hat, was man nur falsch machen kann.” Ich befürchte, dass am 28. April, wenn das SEPA-Projekt letztmals vom Gemeinderat diskutiert (?) wird, genau dieser Satz wieder aktuell wird.

Flugblätter - Flyers

25. April 2009

Heute, Samstag der 25. April 2009, war ich in der Fußgängerzone. Anders als sonst nicht zum Einkaufen (bis auf 5 Tomaten). Nein, ich habe Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Zusammen mit Mitstreitern aus der SPD aber auch Parteilosen, der auch ich bin, habe ich Flugblätter für den Erhalt des Rathauses verteilt.

Zur Erinnerung: Die Fraktionen der CDU und der Freien Wähler wollen im Gemeinderat das als verkorkst anzusehende SEPA-Projekt durchdrücken. Die SEPA-Konzeption beinhaltet eine komplette Aushöhlung des Erdgeschosses des Rathauses einschließlich einer beträchtlichen Verschandelung der Außenfassade des denkmalgeschützten Gebäudes. Anschließend sollen Büroräume für die Bediensteten der Stadt außerhalb vom Rathaus angemietet werden. Die für die Bürgerinnen und Bürger jetzt und in der Zukunft anfallenden Kosten möchte ich jetzt nur am Rande erwähnen.

Ich stand also heute in der Fußgängerzone, zwischen Schuhhaus Berg und Wochenmarkt und verteilte meine Flugblätter. Und es trat etwas ein, was ich so in dieser Form beim Verteilen von Informationsmaterialien noch nie erlebt habe: Die Bruchsaler Bürgerinnen und Bürger nahmen die Flugblätter hoch erfreut entgegen. Sie blieben stehen, diskutierten den Rathausumbau - und lehnten diesen schlichtweg ab. Wut, Trauer aber auch Resignation über “die da” schlug mir entgegen. “Die da oben machen ja doch was sie wollen; denen ist doch egal, was wir kleinen Leute wollen, die verplempern doch nur unsere Steuergelder”. Kein einziger Bruchsaler sprach davon, dass dieser Rathausumbau eine tolle Sache sei, wie in den heutigen Werbeanzeigen der Werbegemeinschaft und der Freien Wähler in der Bruchsaler Rundschau kolportiert wurde.

Diese durchgehend gleich ablehnende Reaktion der Bruchsaler Bürgerinnen und Bürger hat mir gezeigt, dass ich mit meiner Meinung richtig liege. Als Bruchsaler kann und darf man der Zerstörung des Rathauses nicht zustimmen.

Es wird nun spannend, wie die Fraktionen der CDU bzw. der Freien Wähler am kommenden Dienstag abstimmen werden. Hier haben wir vielleicht einen der wenigen (?) Fälle in der Kommunalpolitik, wo die Bürgerinnen und Bürger nahezu unisono ein Projekt ablehnen. Und hier haben wir vielleicht einen der vielen Fälle, wo sich Fraktionsmehrheiten gegen den Wunsch, den Sachverstand und die Klugheit der Bürgerinnen und Bürger entscheiden.

Es wäre traurig und für Bruchsal verhängnisvoll, wenn die nahezu einstimmige Meinung der Bruchsalerinnen und Bruchsaler auf der Strecke bliebe, nur weil die CDU Angst hat, vielleicht ihr Gesicht zu verlieren.

Liebes Mitglied der CDU-Fraktion im Bruchsaler Gemeinderat, bitte glauben Sie mir, mentale und menschliche Stärke wird von der Bevölkerung sehr seismographisch wahrgenommen. Und die Bruchsaler werden es sicher nicht als Schwäche werten, wenn Sie als demokratisch gewählter Repräsentant der Bruchsaler Bürgerinnen und Bürger entgegen der Fraktionsmehrheit (Fraktionszwang?) im Sinne der Bürgerinnen und Bürger abstimmen.

Und Sie, liebe Freie Wähler-Fraktionsmitglieder, auch Sie wurden gewählt, um die Interessen der Bruchsaler Bürgerinnen und Bürger im Gemeinderat zu vertreten. Und nicht allein die Interessen des Bruchsaler Einzelhandels. Und bitte versuchen Sie doch nicht im Ernst der Bevölkerung einzureden, dass die Interessen des Bruchsaler Einzelhandels identisch mit den Interessen der Bruchsaler Bevölkerung sind …

Alles in allem war es ein recht anstrengender Vormittag für mich, mein Rücken hat mir schon etwas geschmerzt. Aber ich glaube, im Interesse meiner Heimatstadt Bruchsal etwas Gutes getan zu haben. Ich lebe hier gerne und ich möchte ein lebens- und liebenswertes Umfeld nicht nur heute sondern auch morgen.

Rennen …

18. April 2009

Heute Morgen ging ich mit meiner Frau einkaufen. Den gewohnten Weg. Tchibo (Eduscho?), Wochenmarkt, Plus (den meine Frau gar nicht mag), dann Füllhorn, dann Kaiser’s, dann kurz zum C & A rein, dann nochmals auf den Wochenmarkt (Petersilie hatten wir vergessen), dann zum Schneider. Irgendwo zwischendrin schauten wir auch noch beim Bäcker vorbei. Und dann, wie oben gesagt, zum Schneider, wobei heute die letzte Möglichkeit war, das Kaufhaus Schneider zu betreten. Schade drum.

Das Kaufhaus Schneider war für mich ein Stück Bruchsal. Die ältesten Erinnerungen, die ich ans Kaufhaus Schneider habe, ist ein Medaillenspiegel zu Olympischen Spielen, der in einem Schaufenster präsentiert wurde. Nachmittags ging ich immer dort hin um zu sehen, wie die deutsche Olympiamannschaft mit ihrer Medaillenausbeute steht. Das müsste 1960 oder 1964 gewesen sein. Die Olympischen Spiele waren in Rom bzw. Tokio. Ein Fernsehgerät hatten wir damals noch nicht; an eine Einrichtung wie das Internet wagte noch niemand zu denken.
Was ich aber sagen wollte, wobei ich bitte meinen Kaufhaus-Schneider-Abschweifer zu entschuldigen: Meine Frau und ich gingen sodann auf unserer allwöchentlichen Samstagseinkaufstour zum Kaiser’s. Und hier entbrannte heute wie eigentlich jede Woche wieder die Diskussion: Meine Frau ist der Ansicht, dass der Tengelmann der Tengelmann ist. Ich bin jedoch der Ansicht, dass der Tengelmann der Kaiser’s ist. Wahrscheinlich hat meine Frau Recht. Denn es steht groß überm Laden: TENGELMANN. Für mich ist der Tengelmann aber immer noch in der Kaiserstraße. Gegenüber vom Gardinen-Dehn. Jetzt ist ein Sonnenstudio drin. Die Türgriffe sind in Metall gegossen und beinhalten ganz prominent die Initialien ET (nicht E.T.!). Also muss es sich um den Tengelmann handeln. Nach meiner Erinnerung sogar Emil Tengelmann. Es ist wie immer. Ich habe Recht und meine Frau das Sagen.
Jetzt habe ich mich aber schon wieder verquatscht. Eigentlich wollte ich nur das Folgende schreiben. Es ist ein Graus vom Friedrichsplatz (das ist dort, wo diese geschmäcklerischen Goertz-Standbilder stehen, die Villa Lambrusco ist wohl mittlerweile jedem Bruchsaler ein Begriff?), es ist also ein Graus vom Friedrichsplatz zum Kaiser’s vulgo Tengelmann zu kommen. Verkehr von links, Verkehr von oben, Verkehr von rechts. Gerade ältere Bruchsaler Bürgerinnen und Bürger tun sich hier sehr, sehr schwer, bei dieser Unübersichtlichkeit über die Straße zu kommen.
Lieber Herr Doll. Dadurch, dass Sie den Zugang zum Kaiser’s (ich bleibe jetzt dabei) durch Nichtzurverfügungstellung eines Zebrastreifens oder einer Fußgängerampel erschweren, wird sicher nicht die Zustimmung der Bruchsaler Bürgerinnen und Bürger zum SEPA-Projekt mit einem dort integrierten Tengelmann größer. Daher meine Forderung, wobei diese meine Forderung auch die Forderung meiner Frau ist: Bitte, bitte eine sichere Anbindung des Kaiser’s an den Friedrichsplatz.

Schon jetzt: Ganz herzlichen Dank!

Thing oder Schlossgarten?

16. April 2009

Kürzlich bin ich nach einem Treffen mit SPDlern in der TSG-Gaststätte nach Hause gegangen. Gegangen! Nicht gefahren! Alldieweil ich a) kein Auto besitze und b) keinen Führerschein habe und c) das Gehen viel gemütlicher ist. Um von der TSG-Gaststätte nach Hause zu kommen, muss ich durch den Schlossgarten. Es war schon dunkel. Kurz vor dem Schloss empfingen mich Stimmen von Jugendlichen. Diese hatten sich bei dem schräg stehenden Baum “versammelt”. Vielleicht erinnert sich der Eine oder Andere daran: dieser kippende Baum war vor ca. 20 Jahren mal Gegenstand einer Besetzungsaktion mit nachfolgendem Bericht in der Bruchsaler Rundschau.

Nun, es waren wirklich viele Jugendliche, die sich dort aufhielten. Es war zwar dunkel, aber ich zählte so etwa 30 bis 40 junge Leute, die dort standen, redeten, diskutierten, lachten.

Und dies hat mich so frappierend erinnert an das Bruchsal der 70er Jahre. Damals trafen sich die Jugendlichen jedoch nicht im Schlossgarten sondern am Thing. Ja, so wurde früher der jetzt nicht mehr vorhandene Brunnen vorm Kaufhaus Schneider genannt. Der Begriff “Nierlesbrunnen” hat sich eigentlich nie so richtig durchgesetzt. Man ging zum Thing, um sich zu treffen.

Und an noch etwas habe ich mich erinnert. Sowohl damals wie heute scheint es in Bruchsal keine Möglichkeit für Heranwachsende zu geben, wo sie sich treffen können. Damals wurde den jungen Leuten gesagt, geht doch ins HdB. Nur die Wenigsten gingen jedoch dorthin. Fortschrittliche Jugendliche stellten damals die Forderung nach einem Jugendzentrum in Selbstverwaltung. Diese Forderung wurde aber von der Stadtverwaltung abgelehnt. Mit dem Hinweis, dass doch soviel Geld für das HdB ausgegeben wurde.

Und nun soll das Haus der Begegnung umgewidmet werden in eine Generationen übergreifende Begegnungsstätte. Eine, wenn man die Historie sieht, folgerichtige Entscheidung. Das HdB hat nie als das funktioniert, als was es konzeptioniert war: Als Begegnungsstätte für Jugendliche (sorry, Günter, ich habe Recht!).

Thing oder Schlossgarten? Es hat sich in 30 Jahren soviel gar nicht verändert.

Feiertage, Sonntage …

10. April 2009

Heute Morgen (es ist Karfreitag) sagte meine Frau nach dem Aufstehen, dass man sich wieder mal zum Frühstück Sonntagsbrötchen gönnen könnte. Unabhängig davon, davon diese Sonntagsbrötchen nur Freitagsbrötchen sein können, bestenfalls Feiertagsbrötchen, habe ich den Geldbeutel geschnappt und bin zur nächstgelegenen Bäckerei gegangen.

Dort erwartete mich eine lange Schlange von Bruchsalern, die ebenso wie ich ihre Frühstückstafel mit frischen Backwaren verfeinern wollten.

Ich musste schon lange warten. Aber es ist ja Feiertag, man hat ja Zeit. Sollte man meinen. So mach einer der Schlangesteher war dennoch schon recht ungeduldig und drängelte ein wenig.

Die Wartezeit überbrückte ich, in dem ich meine Gedanken schweifen ließ und auch an früher zurück dachte. Früher, wo alles besser war!?

Nun, heute ist besser, dass wir nahezu rund um die Uhr einkaufen, also konsumieren können. Hat die Bäckerei mal zu, gehen oder besser, fahren wir zur nächsten Tankstelle.

Haben wir uns diesen “Fortschritt” aber nicht dadurch erkauft, dass die Entschleunigung, die früher am Samstag begann und ihren Höhepunkt am Sonntag hatte, jetzt nicht mehr spürbar, nicht mehr vorhanden ist? Dadurch, dass die Tage der Woche immer gleichartiger werden, aber auch dadurch, dass wir uns selbst keine “Brüche” im Wochenlauf mehr setzen. Und sei es beispielsweise nur durch den sonntäglichen Kirchgang (ich gehe nicht zur Kirche) oder gemeinsame Unternehmungen mit der Familie (wobei hier meine Frau jeden Sonntag mein Nichtstun bemängelt - lieber schreibe ich hier im Blog). Der Wochenverlauf wird ohne einen gelebten Sonntag immer gleichförmiger und flacher.
Wobei wir, die wir nicht am Sonntag arbeiten müssen, doch noch relativ gut dastehen. Wie ist das aber mit beispielsweise den beiden Verkäuferinnen von der Bäckerei? Früh aufstehen, in die Stadt fahren, arbeiten. Der Tag ist kaputt und Freizeit an einem normalen Arbeitstag kann kein Ausgleich für diesen Sonntag sein.
In den 50ern gab es eine Kampagne der Gewerkschaft, nach meiner Erinnerung der IG Metall: “Am Samstag gehört Papa mir!” Dies war der Einstieg in die Fünftagewoche. Von dieser Errungenschaft entfernen wir uns immer mehr.

Der Anfang

9. April 2009

Guten Tag,

Alexandra Nohl hat mich auf die Idee gebracht: wie wäre es, einen Blog einzurichten?

Nun, dies ist mein erster Versuch mit einem Blog zu arbeiten. Ich bin jetzt schon gespannt, wie’s funktioniert.

Hier möchte ich in unregelmässigen Abständen Stellung nehmen zu Dingen, die mir am Herzen liegen, Fragen die mich erreichen zu beantworten, aber auch dem Besucher dieses Blogs zu gestatten, die Dinge, zu denen ich Stellung nehme, zu kommentieren.

Bis demnächst!



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